An(ge)dacht für April 2025
Den Bildschirm meines Computers auf Arbeit ziert das Foto eines bildschönen Hahnes mit einer genauso schönen Henne. Ich mag dieses Bild und ich mag es wenn ich im Garten bin und die Hähne in den umliegenden Gärten ihren Wettstreit im Krähen beginnen. Da werden Kindheitserinnerungen wach, wie wir versuchten die Hähne zu Hause zum Krähen zu bringen. Oder auch an den Wetterhahn unserer Kirche zu Hause denke ich. Von meinem Platz am Familienesstisch aus konnte ich ihn in der Sonne glänzen sehen.
Und heute ziert ein krähender Hahn die Titelseite unseres Gemeindebriefes.
Vielleicht fragt ihr Euch warum ein Hahn? Es ist doch Ostern! Da hätte es doch andere Motive gegeben. Stimmt! Es hätte auch Anderes gegeben. Und doch Ist da nun dieses Bild eines krähenden Hahnes. Auch, oder gerade mit dem Blick auf Ostern.
Sucht man nach der Bedeutung des Hahnes als Wetterfahne auf unseren Kirchen, dann wird schnell klar: Der Hahn steht als Symbol für das Ende der Dunkelheit und den Beginn des Lichtes. Der Hahn kräht lautstark in der Morgendämmerung und kündigt für alle hörbar den neuen Tag an. Aus der Weltnacht Dunkel, ins strahlende Licht - OSTERN. Aus der Dunkelheit der Sünde hinein in das strahlende Licht der Vergebung und Rettung. Aus der dunklen Grabeshöhle heraus in den hellen Ostermorgen.
Aber ich habe mich für einen krähenden Hahn entschieden Und den verbinde ich noch eher mit dem Geschehen an Gründonnerstag. Dieser Hahn will mich etwas fragen. Mich ganz persönlich. Damals krähte der Hahn am Tagesbeginn des Karfreitags. Am Morgen nach der Gefangennahme Jesu. Nach dem Verrat durch Judas und vor allem nach einer fatalen Fehleinschätzung seiner selbst durch Petrus. Petrus sagte: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen und sogar mit dir zu sterben.“ Ihr kennt die Geschichte. Nachzulesen in Lukas 22, 31-62. Noch in der gleichen Nacht erklärt Petrus 3x nicht zu Jesus zu gehören. – Und dann kräht der Hahn. Wie oft habe ich selbst schon ähnliche Situationen erlebt. Da singt man Lieder oder spricht Gebete und ist zu tiefst überzeugt: „Ich werde …“. Na, wisst ihr schon wie es weitergeht? Genau: In den entscheidenden Momenten traute ich mich doch nicht, oder …
Vielleicht fallen Euch auch Situationen ein, in denen Ihr solche „Petrus Momente“ erlebt habt.
Ich kenne sie gut. Und dann der Moment wo der Hahn kräht. Der Moment in dem wir merken, da klafft ein riesiger Spalt zwischen meinem Wollen und meinem Sein. Der Hahnenschrei als Weckruf! „Hallo, auch Du brauchst Jesus!“ Alleine bist Du hilflos dem Satan und seinem Sieb ausgeliefert (Vers 31). Mir tut es gut schon zu Beginn der Geschichte von dem Zuspruch Jesu zu lesen: „Ich habe für Dich gebetet, dass Dein Glaube nicht aufhört“ (Vers 32).
Jesus kennt unsere Herzen. Jesus weiß, dass wir das alleine nicht schaffen. Er steht für uns ein. Und er geht ja sogar noch viel weiter. Er macht mit Karfreitag und Ostern den Weg frei aus der Dunkelheit ins Licht. Aus dem dunklen Grab des Todes in ein Leben in seinem strahlenden, ewigen Licht. Und so bleibt es für Petrus auch nicht bei dieser dunklen Nacht der Selbsterkenntnis und des „Versagens“ stehen. Der Hahn kündigt auch hier einen neuen Morgen und einen neuen Tag im Licht an. Petrus durfte erleben, dass Jesus sein Herz sieht, dass das Gebet seines Herrn auch ihn zurückbringt. Und er durfte sogar erleben, dass Jesus die dreimalige Verleugnung mit der dreimaligen Frage „Hast Du mich lieb?“ aufgreift und ihn dann ganz neu als Hirte seiner Gemeinde beruft (Johannes 21, 15-17).
Wo will der Hahn mit seinem Schrei uns wachrütteln? Wo ist es dran ganz neu das Licht von Ostern auf unser Leben scheinen zu lassen? Jesus wartet nur darauf, dass wir mit diesen „Petrus-Momenten“ zu ihm kommen. Er will vergeben. Er will ganz neue Wege bahnen. Der krähende Hahn – ein Weckruf. Ein Ruf aus der Dunkelheit ins Licht zu kommen.
Sonja Regin